Flauschige Kammzugröllchen in lilatönen und daneben die Reste, die Kämmlinge

Kreative Pause – Flausch-Edition

Beim Sortieren meines Faservorrates habe ich die Gelegenheit genutzt und gleich alles an gefärbten Saaser Mutten Fasern in nennenswerter Menge durchkardiert. Viel lila, blau, pink und eisgrün…

Einen Teil der blauen Faser habe ich ja schon einem im Video gezeigt.

Den Rest und einiges an anderen Farben, die ich damals einfach drauflosgefärbt hatte, ohne Rezept und ohne Plan, schickte ich ebenfalls über die Trommel.

Und plötzlich hatte ich Lust Wolle zu kämmen. Warum also nicht einmal versuchen, wie es herauskommt, wenn die Wollkämme mit verschiedenen Farben und Stapellängen beladen werden.

Nach einigem Pröbeln habe ich herausgefunden, wie längsstreifige und wie eher gemischte Kammzüge gemacht werden können. Und wie beim Kämmen üblich, entsteht auch immer ein Haufen „Kämmling“. Kämmling ist das was nach dem Kämmen auf den Wollkämmen zurückbleibt. In erster Linie Fasern die zu kurz sind, um noch vom aktiven Kamm erfasst zu werden.

Ein Video von mir zum Thema Wolle kämmen:



Streichgarn und Art Yarn

Und wenn da schon so schöne Kammzüge da sind, die auch eher entschleunigt sind, in ihrer Herstellung möchte ich so viel Spass damit wie möglich haben. Es ist ja ein Projekt zur Entspannung. Deshalb habe ich mich herausgefordert, das Garn im kurzen Auszug möglichst dünn auszuspinnen.

Und den Kämmling spinne ich zu einem Art Yarn mit möglichst vielen „Slubs“, dick-dünn Stellen. Schwangere Regenwürmern sozusagen. Ich spinne es mit sehr viel Drall und sehe zwei Möglichkeiten, wie ich das Garn weiter entwickle. Entweder ich lasse es als einfädiges Garn und filze es in der Nachbehandlung richtig fest an.
Garne werden im Wasserbad nachbehandelt und dabei kann man entweder ganz vorsichtig vorgehen, und das filzen vermeiden, indem es nur sanft ins lauwarme Wasser eintaucht und ziehen lässt. Oder man kann damit machen, was man mit Wolle nur dann tun soll, wenn man weiss was man tut, oder wissen will was passiert: Wechselbäder, eher basisches Waschwasser, kneten und wringen… Damit läuft das Garn ein und filzt je nach Bearbeitung gehörig an. In einem weiteren Schritt kann es dann nochmals rückwärts übers Spinnrad laufen gelassen werden, damit der Drall reduziert wird. Danach im Entspannungsbad fertig stellen.
Ein solches Garn sollte relativ weich sein, weil die Fasern nicht mehr so stark verdreht sind und viel Luft eingeschlossen sein. Es ist durch das anfilzen möglich, ein einfädiges Garn mit wenig Drall herzustellen.

Die andere Variante, ist ein Coil Garn herzustellen. Das Dickdünn Garn wird mit einem zweiten Garn verzwirnt, und die dicken Stellen werden sorgfältig um seinen Partner gewickelt, dass Bienenkorbartige Strukturen entstehen.

Hier ein Beispiel für eine Fingerübung in Art Yarn der letzten Tage.

Sind Art Yarns überhaupt nützlich?

Wenn es um stark texturierte Garne geht, scheiden sich die Geister. Wenn man diese Art Garn in Strickprojekten verwenden will, sollte es entweder als Akzent sein, oder in einem einfachen Strickmuster, das die Strukturen und Eigenheiten des Garnes zur Geltung bringt.

Ich finde es eine sehr gute Übung fürs bewusste Handspinnen. Es gibt dieses Geflügelte Wort unter Handspinner:innen: Zuerst kann man nichts anderes als „schwangere Regenwürmer“ spinnen. Und dann lernt man gleichmässig zu spinnen und kann nur mehr eine dicke – und die dafür gleichmässig – spinnen. Alles andere fällt schwer.

Diese Gewohnheit lässt sich durchbrechen und zwar genau durch das bewusste Spinnen von Garnen, die anders sind, als der persönliche Standard. Und dabei einfach geniessen, dass nichts muss und alles kann.

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