Schwarznasenwolle Saaser Mutten Wolle – was ist der Unterschied?

Saaser Mutten und Schwarznasen sind zwei Walliser Schafrassen. Ihre Wolle könnte Unterschiedlicher nicht sein! Das „cutest sheep of the world“ und Team Langohr – ein Vergleich

Die Schwarznasenwolle hat einerseits eine Grosse Fanbasis – sie ist der Inbgegriff für Schweizer Filzwolle – Bärtliwolle und alles was aus ihren Locken gemacht werden kann.

Andererseits ist sie auch etwas verrufen. Grob, kratzig, nicht für Kleidung geeignet, bestenfalls als Isolationsmaterial – warum nicht zum abdecken von Gletschern. Link
Saaser Mutten Wolle ist weitgehend unbekannt. Es ist kaum etwas davon auf dem Markt, und kaum jemand kennt ihre Eigenschaften. Allerdings teilt sie mit den anderen Robustschafrassen einen nicht besonders guten Ruf – vor allem wenn als Vergleich Merinowolle hinhalten muss.

Die Rücken mehrerer Schafe zeigt die unterschiedliche Wolle

Die Wolle von Schwarznasen

Schwarznasen haben Locken und Löckchen. Und was faszinierend ist: jedes Schaf hat eine andere Lockenstruktur. Manche eher kringelig, andere eher langezogene Wellen. Und die Wolle hat – wohl auch wegen ihrer dicken Fasern – einen Wunderschönen Glanz auf diesen Locken. Wird nur einmal Pro Jahr geschoren so kommt die Wolle auf eine Stapellänge von unglaublichen 30cm.. Kräuselung (crimp) hat die Wolle hingegen kaum. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Schwarze Schwarnasen Locken, die ungestreckt auf 20cm länge kommen.


Üblicherweise wird Wolle heute auf grossen Walzen kardiert. Das entstehende Vlies ist chaotisch. Die Fasern verlaufen gegeneinander, kreuz und quer. Und meiner Meinung nach ist das nicht die ideal Zubereitung für grobfaserige Wolle. Die abgeknickten Fasern stakeln aus dem Vlies heraus und pieksen. Das ist eigentlich das Rezept für kratzige Wolle.


Meine aus Zeitmangel noch nicht überprüfte Theorie ist: Schwarznasenwolle ist weniger kratzig, wenn sie gekämmt wird und im kurzen Auszug zu einem Kammgarn gesponnen. (worsted)
Das ist etwas, was ich demnächst ausprobieren möchte. Eventuell hilft es sogar schon, wenn die Wolle kardiert, und dann über mehrere Stufen mit einem Diz gestreckt und geordnet wird. Auch im gesponnenen Garn zeichnet sich die Wolle durch einen schönen Glanz und einen schönen Fall aus.

Ein Körbchen voll mit veerschieden gefärbten Locken von Schwarznasen Wolle


Die dicken und stabilen Fasern sind beim filzen eine ihrer herausragenden Eigenschaften es lassen sich aus Schwarznasenwolle unglaublich feine und transparente filze machen, die trotzdem noch erstaunlich Stabil sind.

Filzprobe Schwarznasenwolle

Ein Hauch grün gefärbte Schwarznasenwolle im Gegenlicht, zeigt sehr schön den Glanz dieser Wolle

Hauchfein gefilzt bleibt der wunderschöne Glanz erhalten. Das Filzstück ist federleicht und transparent. (Mir Kommen grad Ideen für Feenflügel, die hoffentlich ein wenig haltbarer sind, als einfach Kammzugwolle)

Saaser Mutten

Die Saaser Mutten stammen von den italienischen Bergamaskerschafen ab, und neben ihren langen Ohren haben sie eine recht feine Wolle, obwohl in den letzten Jahrzehnten Wollqualität nicht mehr ein besonders beachtetes Zuchtmerkmal war.

Die Wolle hat deutlich mehr Kräuselung und wirkt dadurch flauschiger und weniger glänzend. Sie fühlt sich bauschiger an.
Beim kardieren ergeben sich wunderbar bauschige und flauschige Vliese. Grosse unterschiede gibt es bei den Schafen auch über den Verlauf ihres Lebens. Erstschuren haben nach 9 Monaten immer noch eine recht kurze Stapellänge von ungefähr 4cm. Die Wolle ist so fein, dass sie beim Nadelfilzen gut für Details wie Augen oder ähnliches genutzt werden kann.

nadelgefilzter weisser Hase in einem mit Blumen dekorierten Nestchen. Der Hase hält eine Kuschelkarotte


Die Wolle hat recht viel Kräuselung, aber trotzdem wenig Sprungkraft, und ist recht fein. Filz und Streichgarne sind – ohne den Vergleich mit Merino zu suchen – recht weich und Flauschig.
Je älter die Schafe werden, desto glatter wird ihre Wolle und bei einer Halbjahresschur erreichen sie eine Stapellänge von 6-10cm. Kammgarne werden angenehm griffig und recht bauschig.

Eine Ganzjahresschur eines ausgewachsenen Saaser Mutten Schafes.


Die Wolle lässt sich sehr gut verarbeiten – auch nach unzimperlicher Behandlung beim Waschen und Färben lässt sie sich noch gut weiterverarbeiten. Etwas aufgelockert verträgt sie das Kardieren sehr gut und filzt danach – ganz Bergamaskerwolle – immer noch zu gleichmässigen und kompakten Werkstücken. Sowohl als Nadelfilz als auch als Nassfilz.

Ein Körbchen voll unterschiedlich gefärbter Saaser Mutten Wolle

Beim Filzen ist es mit Saaser Mutten Wolle einfach, kompakte und gleichmässige Stücke zu filzen. Beim Filzbild mit dem Schmetterling unten, versuchte ich die Wolken mit Schwarznasenlocke zu filzen. Dies erwies sich als einigermassen Schwierig. Die Schwarznasenwolle hat sich auch nach längerer Bearbeitung kaum mit dem Saaser Mutten Vlies verbinden lassen. Um nicht zu sagen, je länger ich filzte, desto mehr gingen die Fasern auseinander.

Für etwas mehr Kontrast und Detail habe ich den Schmetterling nach dem trocknen noch etwas Nadelgefilzt.

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