Was ist Weidewolle?

Wo Schafe sind, ist Wolle. Und diese Wolle wird seit der Erfindung erdölbasierter Fasern stiefmütterlich behandelt. Für die meisten Schäfereien ist sie ein Abfallprodukt. Die Schur kostet, das Entsorgen kostet, selbst wenn man die Wolle in die Wollannahme gibt, zahlt man drauf. So werden sogar Schafe gezüchtet, die ihre Wolle von selber abwerfen.

Unsere Schafe

Saaser Mutten, die grossen Schafe mit den langen Ohren und den langen Beinen aus dem Saastal und Walliser Schwarznasen, die süssesten Schafe der Welt (sagt das Internet) sind beide lokale Rassen, die mit ihrer Genügsamkeit und Geländegängigkeit optimal ans Leben im trockenen Wallis angepasst sind.

Wegwerfen ist doof!

Wolle ist ein echtes Naturwunder. Es braucht etwas Gespür für das Material und Übung, aber Wolle ist einfach zu verarbeiten. Im Grunde reicht ein Stöckchen zum Spinnen eines Fadens und eine grobe Nadel, um ein wärmendes Flächengewirke herzustellen. Handspinnen, Nadelbinden, weben, stricken, häkeln, filzen… Mit Wolle lassen sich flächige, dreidimensionale, glatte, steife, starre, weiche, flauschige und kratzige Sachen herstellen.

Wolle ist Überfluss. Nachwachsender Überfluss. Unsere Hausschafe sind so gezüchtet, dass sie neben ihrer eigenen Versorgung, und der ihres Nachwuchses zusätzlich zwei bis vier Kilogramm Wolle Produzieren. Sie sind so gezüchtet, dass sie geschoren werden müssen, weil die Wolle nicht wie das Haarkleid einer Katze oder eines Pferdes selber ausfällt.
Die Wolle war früher ein grosses Argument, weshalb Schafe überhaupt gehalten wurden. Die Wolle lieferte Kleidung, die Warm hält. Vor dem Aufkommen Erdölbasierter Fasern ein wichtiges Handelsgut.

Wolle von Robustrassen

Die Wolle von Schwarznasenschafen und Saaser Mutten ist nicht so fein, wie die Strickwolle, die man aus dem Handel kennt. Sie hat auch kaum elastizität, hat dafür einen schönen Fall. Sie ist griffig, rauh und auch etwas kratzig. Die Wolle der Saaser Mutten lässt sich sehr gut filzen.

Unsere Schwarznasenschafe und die Saaser Mutten haben im Vergleich zur Merinowolle recht grobe Wolle. Sie ist einiges dicker und somit auch viel weniger Flauschig. Schwarznasenwolle hat dafür, vor allem wenn sie im kurzen Auszug versponnen wird einen wunderschönen Glanz und Fall, weil sie kaum gekräuselt ist.

Saaser Mutten Wolle ist sehr vielfältig. Ganz junge Schafe haben eine recht flauschige Wolle, die im langen Auszug ein halbwegs flauschiges Garn gibt. Je älter die Schafe werden, desto weniger Kräuselung ist in ihrer Wolle, desto glatter wird sie.

Ich liebe die Wolle von Saaser Mutten fürs Nadelfilzen. die Wolle hält mit vergleichsweise wenigen Nadelstichen gut ineinander, was das arbeiten befriedigend macht.


Überfluss teilen

Für uns ist es zu viel Wolle – und die Wolle ist viel zu schade um sie wegzuwerfen. So viele Dinge, die damit gemacht werden können. Mit Weidewolle möchte ich dieses Produkt unserer Schafe teilen. Das Potential dieses wertvollen Rohstoffes ausschöpfen. Die Freude, die das Verarbeiten bringt, die Freude an fertigen Produkten.
Das ist hier gewachsen, weil unsere Schafe hier in diesem kargen Land, auf diesem heissen Stein Gras und Kräuter fressen.

Nadelgefilzte Deko

Handgesponnene Garne

Blauer Rolag

Fasern zum Handspinnen und Filzen

Landschaftspflege

Im heutigen Kontext werden Schafe vor allem zur Landschaftspflege gehalten. Sie halten Kulturland offen, tragen Samen und Insekten von Weide zu Weide und verhindern so genetische Flaschenhälse in den Flächen, indem sie die lokale Durchmischung fördern. Schafe verdichten den Boden mit ihren Füssen ein wenig. Mit dem Abfressen von Ecken, die nicht gemäht werden können, fördern sie guten Bewuchs, der der Erosion entgegenwirkt.